Barrierefreiheit beginnt im Kopf

Am 30. Juli 2021 war Frau Olszewski von der Lebenshilfe Bochum zu Gast in der Lokalzeit Ruhr. Wir haben mit ihr gesprochen.

Frau Olszewski Sie waren am Freitag, 30.07.2021 als Gast beim WDR in der Lokalzeit Ruhr. Wie ist es dazu gekommen?
Beim WDR arbeitet eine Praktikantin, die aufgrund einer chronischen Erkrankung im Rollstuhl sitzt. Die Dame hat einen Bericht über ihren Weg zur Arbeit gemacht und aufgezeigt, welche Barrieren sie dabei überwinden muss. Der WDR hat dann bei unserer Geschäftsführung angefragt, ob wir einen Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin für ein Interview zur Verfügung stellen können. Es sollte keine Leitungskraft sondern jemand aus der Praxis sein. Unser Geschäftsführer hat mich dann gefragt, ob ich mir das vorstellen könnte und ich habe zugesagt.
Das war sicherlich sehr aufregend.
Ja, auf jeden Fall, zumal Deutsch nicht meine Muttersprache ist. Ich wurde zunächst von der Redaktion angerufen und am Telefon interviewt. Dabei sollte herausgefunden werden, was mir alles wichtig ist zu dem Thema Barrierefreiheit. Dann musste ich an dem Freitag frühzeitig beim WDR in Essen sein. Dort hatte ich ein Gespräch mit dem Moderator Lars Tottmann. Da das eigentliche Interview nur 3 Minuten dauern sollte, war es wichtig, im Vorfeld abzuklären, um welche Fragen es gehen soll. Natürlich musste ich auch in die Maske. Ich war noch nie so geschminkt wie an diesem Tag. Und dann begann das Interview.
Sie haben selbst einmal im Rollstuhl sitzen müssen.
Aufgrund eines Unfalls war ich für ein halbes Jahr auf einen Rollstuhl angewiesen. Da wechselt man die Perspektive und sieht viele Dinge aus einer anderen Sicht. Spätestens seit dieser Zeit ist mir das Thema Barrierefreiheit sehr wichtig. Das Beispiel des Geldautomaten, das ich auch in dem Interview angesprochen habe, ist nur eines von vielen. Kein Rollstuhlfahre wäre jemals auf die Idee gekommen, vor einen barrierefreien Geldautomaten Treppen zu bauen. Oft erreicht man öffentliche Gebäude als Mensch mit Behinderung nur über die Hintereingänge. Das grenzt aus und macht deutlich, dass Menschen mit Behinderung oft noch nicht zur Mitte der Gesellschaft gehören.
Wie kann das geändert werden?
Einer unserer Bewohner hat mir einmal einen Satz gesagt, der mich sehr beindruckt hat: „Barrierefreiheit beginnt im Kopf“. Das habe ich mir gemerkt. Menschen mit Behinderung sind, wenn es z.B. um Fragen von Barrierefreiheit geht, Experten in eigener Sache. Sie haben oft ganz einfache Lösungen für Probleme, die ihren Alltag betreffen und sollten viel stärker in die Planungen mit einbezogen werden. Dann würden solche Dinge wie z.B. mit den Treppen vor dem Geldautomaten nicht passieren.
Frau Olszewski, vielen Dank für das Gespräch.

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